Managed Care

Derzeit kommt es zu tiefgreifenden Veränderungen im Versorgungsgeschehen des deutschen Gesundheitswesens. Zahlreiche Entwicklungen stellen die Leistungserbringer vor große Herausforderungen, ihre traditionellen Versorgungsstrukturen zu verändern. Bewährte Strategien werden aus dem Ausland übernommen; insbesondere versucht man Versorgungsstrukturen und entsprechende Konzepte aus den Industriestaaten des angloamerikanischen Sprachraums zu transferieren.

Ein entscheidender Auslöser für diese Veränderungen ist der stetig fortschreitende Anstieg ökonomischer Defizite im Gesundheitswesen, die einen kontinuierlichen Anstieg der Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung mit sich bringen und die volkswirtschaftliche Entwicklung negativ beeinflussen. Dieser Kostendruck kann als ein Ergebnis der Entwicklung unserer Gesellschaft gesehen werden. Eine sinkende Zahl von Beitragszahlern in der gesetzlichen Krankenversicherung zu Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, eine insgesamt schon lange sinkende Geburtenrate und eine Kostenzunahme innerhalb von Versorgungs- und Behandlungsleistungen wären als demographisch-ökonomische Faktoren zu nennen. Die Auswirkungen der demographisch-gesundheitlichen Entwicklung können in einer Zunahme von Zivilisationskrankheiten und chronischen Erkrankungen gesehen werden. Die Erfolge der professionellen Pflege und der modernen Medizin führen einerseits zu einer höheren Lebenserwartung, mit der andererseits auch oft eine vermehrte Multimorbidität sowie eine verstärkte Pflegeabhängigkeit in hohem Lebensalter einhergeht. Mit diesen neuen Rahmenbedingungen - welche die veränderten Ansprüche an Versorgungsstrukturen prägen - wird gleichzeitig der Anteil von Patienten, die das Gesundheitssystem nicht mehr selbständig adäquat nutzen können, kontinuierlich größer. Da die Entwicklung der Versorgungsstrukturen auch zu einer weiteren Spezialisierung einzelner Versorgungsbereiche führt, werden Leistungserbringer zunehmend vor die Schwierigkeit gestellt, speziellen Patienten mit ihren oft chronischen Erkrankungen eine ganzheitliche, qualitativ hochwertige und ökonomisch effiziente Versorgung zukommen zu lassen. Überdies ist das deutsche Gesundheitssystem in viele einzelne Sektoren zergliedert, was eine kontinuierliche Versorgung erkrankter Personen erheblich erschwert. In diesem Zuge werden vielgestaltige Bemühungen vorgenommen, mit Hilfe verschiedener, zumeist angloamerikanischer Steuerungsinstrumente, Verbesserungen und Rationalisierungen in der Versorgungsorganisation zu etablieren.

In diesem Zusammenhang sind Begriffe wie Managed Care, Diagnosis Related Groups, Clinical Pathways, Disease Management sowie Case und Care Management in Deutschland zuletzt immer populärer geworden. In der Umsetzung dieser neuen Konzepte im deutschen Gesundheitswesen und einer korrespondierend veränderten Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen sind für betroffene Einrichtungen Schwierigkeiten zu erwarten. Eine optimale Umsetzung neuer Strategien und ihrer veränderten Prozessabläufe ist nur mit dem dafür erforderlichen Fachpersonal und einer Ausweitung seiner Qualifikationen zu realisieren. Darüber hinaus bedarf es eines veränderten Wertebewusstseins, das die Qualität der Kooperation, die grundsätzliche Bereitschaft zu Innovationen und die Effizienz im Gesundheitswesen betrifft. Gerade in Krankenhäusern mit ihren vielen verschiedenen Berufsgruppen herrschen hohe Kooperations- und Koordinationsansprüche vor, welche die Notwendigkeit einer gemeinsamen Zielbildung bedingen. Oftmals lassen sich aber in Krankenhäusern Verhältnisse beobachten, die eine solche Zielorientierung vermissen lassen und sich blockierend auf eine notwendige Anpassung an zukünftige Entwicklungen auswirken. Diese Verhältnisse prägen das Arbeitsklima und die Qualität der Patientenversorgung. Sie lassen sich vor dem Hintergrund Krankenhauskultur thematisieren. Managed Care